Quallen - unliebsame Badegäste
Seit 600 Millionen Jahren gibt es sie, und zu 99% bestehen sie aus Wasser. Doch das restliche eine Prozent hat es in sich. Die hier im Mittelmeer vorkommenden Feuerquallen sind für den Menschen zwar nicht gefährlich, aber ein Kontakt kann sehr schmerzhaft sein. An einem violett-bräunlichen Schirm hängen über 150 Tentakel, die die sogenannten Nesselzellen tragen(Bild 1). Kommt Beute in die Nähe, werden diese Nesselzellen (Nematocysten) aus den Tentakeln herausgeschleudert. Sie bohren sich in das Opfer (Bild 2), und durch verschiedene Gifte paralysieren oder töten sie dieses. Ein schwimmender Mensch übt auf die Qualle den gleichen Reiz aus, obwohl er als Beute nicht geeignet ist.
Bild 1:
Nematocyst
Bild 2:
Nematocysten in der Haut des Opfers
Sofort nach dem Kontakt kommt es zu brennenden Schmerzen, Hautrötung, Schwellung und auch Blasenbildung. Unbehandelt gleicht das Ganze einer Verbrennung wie z.B. durch ein Bügeleisen. Die obersten Hautschichten sterben ab, und es bleiben über viele Monate sichtbare Pigmentveränderungen, oder auch Narben. Auch gestrandete Quallen sollte man nicht anfassen, sie nesseln noch stundenlang.
Was mache ich, wenn mich eine Qualle "erwischt" hat?
Nicht reiben, kein Süsswasser, denn beides führt zur Freisetzung von Giften! Wenn noch "Fäden" der Quallen auf der Haut sind, sollte man diese mit Meerwasser abspülen. Nicht mit den Fingern entfernen, denn dann hat man die gleichen Probleme mit der Haut der Hände.
Normaler Essig und höherprozentiger Alkohol inaktivieren die Gifte der Quallen. Einfach über die betroffenen Hautpartien träufeln. Anschliessende Eisumschläge lindern die Schmerzen und begrenzen den Schaden an der Haut.
Im Idealfall hat man ein Fläschchen Teebaumöl bei sich. Ich habe Patienten mit Quallenkontakt nach Essig-, Alkohol- und sonstigen Anwendungen gesehen. Keine kann mit der Wirkung von Teebaumöl konkurrieren. Exakten Studien über den Ein-fluss des Öles auf die Gifte der Qualle kenne ich nicht, aber vielfach habe ich gesehen, dass die Hautreaktionen, auch Stunden nach der "Verbrennung", durch das Auftragen von Teebaumöl am gleichen Tag noch verschwinden. Bei Badegästen, die das Öl gleich nach der "Verbrennung" auftragen konnten, kam es erst gar nicht zu nennenswerten Hauterscheinungen.
Wer keines der obigen Mittel zur Stelle hat, kann auf den eigenen Körper zurückgreifen: Man trägt den eigenen Urin auf die betroffenen Stellen auf. Die Gifte sollen auch dadurch inaktiviert werden, die sonstigen Wirkungen kann ich nicht beurteilen. Da ich immer Teebaumöl mit an den Strand nehme, habe ich obige Methode noch nicht selbst ausprobiert.
Bei stärkeren Beschwerden nach Quallenkontakt sollte man eine Arzt aufsuchen.
Nachtrag, Quallensalat:
Der Verzehr von Quallen ist ein blühendes Millionen-Dollar-Geschäft geworden, Tendenz steigend. Den Geschmack hat man mit "Götterspeise" auf Salzwasserbasis verglichen. Je nach Marinierung ergibt sich ja vielleicht doch etwas Geniessbares.