Die geheimnisvollste Hinterlassenschaft aus phönizischer Zeit befindet sich im Norden in der Nähe der Ortschaft Sant Vicent de sa Cala: Es Cuieram
Hierbei handelt es sich um eine Höhle, in der der Fruchtbarkeitsgöttin Tanit geopfert wurde. Diese Göttin Tanit erreichte als Gemahlin des Baal eine große Bedeutung innerhalb des karthagischen Götzenkultes, der durch seine ausschweifenden und blutigen Opferfeste gekennzeichnet war.
Gemäß der Anlage phönizischer Heiligtümer liegt die Kultstätte an einem steilen Küstenhang, mit freiem Blick auf das Meer. Sie reicht tief in den Berg, und ist wohl immer noch nicht ganz erforscht, da im Laufe der Zeit einzelne Abschnitte verschüttet wurden. Anfang dieses Jahrhunderts wurde sie, nachdem sie aus dem Gedächtnis der Einwohner verschwunden war, wiederentdeckt.
Es fand sich neben diversen Kultgegenständen und Figuren aus Terrakotta, die heute im Archäologischen Museum Ibiza ausgestellt werden, eine großer Goldschatz, dessen Herkunft nie genau geklärt werden konnte. Auch die Herkunft diverser Knochenreste wurden nie untersucht, obwohl manche Wissenschaftler davon ausgingen, daß es sich um Überreste menschlicher Ofergaben handelte.
In einer Art zentralem Versammlungsraum steht ein großer, massiver Altarstein, auf dem die Opfer für die Göttin dargebracht wurden. Von hier aus verzweigen sich mehrere kleinere Gänge , die sich im Verlauf der Höhle zu größeren Nebenräumen erweitern.
Obwohl es aufgrund der schlechten Beleuchtung und den unübersichtlichen Verzweigungen nicht leicht ist ein genaues Bild des Höhleninneren zu bekommen, fühlt man die mystische, fast schon unheimliche Stimmung diese Ortes, die auch die Karthager dazu bewogen hat, hier ein ihrer wichtigsten Kultstätten zu errichten.